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Franziska Müller fällt bis zum Saisonende aus – Ausfall gleichbedeutend mit Karriereende

Der Frauen-Handballbundesligist HSG Blomberg-Lippe muss eine äußerst bittere Nachricht verkünden: Die deutsche Nationalspielerin Franziska Müller bleibt aufgrund ihrer anhaltenden Kniebeschwerden auch weiterhin krankgeschrieben und fällt bis Saisonende aus. Dies ist gleichbedeutend mit ihrem Karriereende, da die Linksaußen ihren zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern wird. Dies ist das Resultat aus zahlreichen Gesprächen zwischen der Spielerin, den Vereinsverantwortlichen und Mannschaftsarzt Dr. Titus Bertolini in den vergangenen Wochen und Monaten.

„Franzis Kniebeschwerden sind uns seit Jahren bekannt. Sie hat sich jedoch immer in den Dienst der HSG gestellt, sehr oft die Zähne zusammengebissen, um weiter mit ihrem Einsatz zum Erfolg der Mannschaft beizutragen. Bereits im Vorfeld dieser Spielzeit haben wir intensiv diskutiert, inwieweit ein weiteres Jahr unter dieser großen Belastung noch tragbar für sie ist. Unter Einbindung eines reduzierten und individuellen Trainingspensums für Franzi haben wir versucht, mit ihr die gesamte Saison bestreiten zu können. Nicht zuletzt wegen ihrer langjährigen Verdienste, aber natürlich auch aufgrund der Fürsorgepflicht gegenüber der Spielerin, haben wir mit ihr nunmehr entschieden, dass es keinen Sinn mehr hat, sich noch weiter durch die laufende Spielzeit buchstäblich zu quälen. Für uns ist das sowohl sportlich, als auch menschlich, ein Riesenverlust, zählt Franzi doch seit Jahren zu unseren Top-Torschützinnen und Führungsspielerinnen. Wir sind sehr traurig, dass sich jetzt bewahrheitet, was in den vergangenen Monaten zu befürchten war. Als eines der Gesichter der HSG Blomberg-Lippe werden wir Franzi nun alle Türen offen halten, dass sie auch zukünftig in anderer Rolle dem Verein verbunden bleibt. Zu gegebener Zeit werden wir dies mit ihr diskutieren. Und natürlich werden wir sie am letzten Spieltag gebührend verabschieden“, sagt HSG-Geschäftsführer Torben Kietsch.

HSG-Mannschaftsarzt Dr. Titus Bertolini erläutert: „Franzi hatte ja leider schon in sehr frühen Jahren einen Riss des vorderen Kreuzbandes am linken Kniegelenk erlitten. Sie klagte in den letzten Monaten immer wieder über Schmerzen im Knie. Bei MRT-Untersuchungen stellte sich das Kreuzbandtransplantat zwar als intakt dar, im äußeren Gelenkkompartiment hatte sich aber ein viertgradiger Knorpelschaden (= Knorpeldefekt) entwickelt, der Ursache für ihre Beschwerden ist. Mit intensiven physiotherapeutischen Behandlungen sowie anderen vielfältigen Maßnahmen konnten wir zumindest eine vorübergehende Besserung erzielen. Ein aktuelles MRT zeigt aber nun ein deutliches Fortschreiten des Knorpelverschleißes. Eine Belastung des Kniegelenkes unter Leistungssportbedingungen ist jetzt leider nicht mehr möglich und auch nicht anzuraten.

Franziska Müller ergänzt: „Mein Herz will noch – aber mein Knie kann nicht mehr. Wenn man sein Karriereende nicht selbst bestimmen kann, ist es ganz bitter, das hatte ich mir anders gewünscht und vorgenommen. Am Ende ist aber die Gesundheit das wichtigste! Deshalb war es der einzig richtige Schritt, auch wenn diese Entscheidung mich sehr traurig macht und ich einige Zeit brauchen werde, um dies zu verarbeiten. Ich hoffe, ich konnte in Blomberg meine Spuren hinterlassen. Ich bin dankbar für alles, was ich mit der HSG erleben durfte. Mein Dank gilt meiner Familie und Freunden, den Verantwortlichen der HSG, den Trainern und Betreuern, Dr. Titus Bertolini, den Physios, den großartigen HSG-Fans und natürlich meinem Team für die Unterstützung in all den Jahren.“

„Dass uns Franzi nicht mehr zur Verfügung steht, ist ein herber Schlag. Vor allem natürlich sehr schade und traurig für sie – aber auch für unsere Mannschaft, das Nationalteam, unsere Sponsoren und Anhänger. Sie war über Jahre eine der torgefährlichsten Außenspielerinnen der Liga und hat ja auch diese Saison schon bereits wieder an die 50 Tore erzielt“, so Trainer Steffen Birkner, der zudem meint, dass „wir jetzt noch etwas mehr zusammenrücken müssen, um diesen Ausfall auffangen zu können. Auf Linksaußen müssen nun vor allem Angela Steenbakkers und Ndidi Agwunedu zeigen, was in ihnen steckt. Auch Nele Franz kann auf dieser Position Akzente setzen.“

Die 28jährige Franziska Müller, gebürtig aus Berlin, war im Sommer 2010 von den Füchsen Berlin zur HSG gewechselt und hat in dieser Zeit 641 Bundesliga-Tore erzielt, 46 davon in der aktuellen Saison. Neben diversen Einsätzen für die DHB-Nachwuchsteams hat sie für die A-Nationalmannschaft 31 Länderspiele (59 Tore) absolviert. Noch bei der Europameisterschaft im vergangenen Dezember war sie für die DHB-Auswahl in Frankreich aktiv.